Dimensionierung der Fußgängeranlagen bei Realisierung des Nukleus am Münchner Hauptbahnhof im Zuge der 2. S-Bahn-Stammstrecke

Simulation der Fußgängerströme und Dimensionierungsprüfung um einerseits auftretende Engpässe zu identifizieren und andererseits Überdimensionierungen im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit zu vermeiden.

 

Aufgabenstellung

Die aktuellen Planungen für die 2. S-Bahn-Stammstrecke München sehen am Hauptbahnhof eine zentrale Umsteigeanlage zwischen der Station »Hauptbahnhof tief« (im Zuge der 2. S-Bahn-Stammstrecke) und den Verteiler-/​Sammelebenen mit offenem Lichtschacht vor. Die zentrale Umsteigeanlage wurde mit dem Namen Nukleus versehen. Innerhalb des Nukleus werden die Fußgängerströme über Passagen, Rolltreppen, feste Treppen und Aufzüge geführt. Für die unterschiedlichen Anlagenteile sind Dimensionierungsnachweise zu führen, um einerseits ggf. auftretende Engpässe zu identifizieren, andererseits Überdimensionierungen im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit zu vermeiden.

 

Untersuchungsmethodik

Aufbauend auf einer aktualisierten Verkehrsprognose der Ein-, Aus- und Umsteiger am Knoten München Hauptbahnhof werden die Fußgängerströme für die charakteristische Spitzenstunde unter Berücksichtigung differenzierter Betriebsprogramme für die unterschiedlichen Betriebszweige (als Bahnhofsfahrordnung) simuliert. Hierzu müssen zunächst die geplanten und auch vorhandenen Fußgängeranlagen (Zu- und Abgänge, Passagen, Treppen, Aufzüge etc.) in einem dreidimensionalen Netzmodell in operationaler Form aufbereitet werden, um hieraus unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Leistungsfähigkeit unterschiedlicher Anlagenteile einen Wegewahlalgorithmus für die Fußgänger als Basis für die Umlegung der Fußgängerströme ableiten zu können. Aus den Fußgängerströmen für die charakteristische Spitzenstunde werden entsprechend der RiL813-Vorgaben (DB-Richtlinie aus der Modellgruppe 81302 »Bahnsteige und ihre Zugänge planen«, gültig ab 15.10.2005)

 

Fußgängerströme für einen Lastfall «Normalverkehr» (in einem 15-Minuten-Intervall) und

Fußgängerströme in einem Lastfall «Spitzenverkehr» (in einem 2-Minuten-Intervall)

 

abgeleitet.

 

Beispiel: Umlegung der Fahrgastströme Hauptbahnhof-Sammelebene im Lastfall »Normalverkehr« (15-Minuten-Intervall)

Die RiL813 gibt vor, dass beim Lastfall »Spitzenverkehr« die Fahrgastströme für ein 2-Minuten-Intervall aus dem Lastfall Normalverkehr abgeleitet werden, indem der Wert des Lastfalles Normalverkehr durch 7,5 dividiert und das Ergebnis mit einem Zuschlag von 38 % hochgerechnet wird. Diese Vorgehensweise bildet die Fußgängerströme im Lastfall Spitzenverkehr lediglich statisch ab und würde im konkreten Fall des Nukleus zu nivellierten Ergebnissen führen. Um diese Nivellierung zu vermeiden und um die tatsächlichen Fußgängerströme in kleinsten Zeitintervallen abbilden zu können, werden die Fußgängerströme mit Hilfe eines sogenannten Cellularautomaten simuliert.

 

Beispiel: Simulation der aussteigenden S-Bahn-Fahrgäste im Lastfall »Spitzenverkehr« mit Hilfe eines Cellularautomaten

Die Dimensionierungsnachweise wurden nach der RiL813.02 und darüber hinaus zur Berücksichtigung der Qualitätsstufen des Verkehrsflusses nach der HBS 2001 (FGSV, HBS, Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen, Ausgabe 2001) geführt.

 

Untersuchungsergebnis

Der komplexe Bau des Nukleus mit unterschiedlichen Ebenen und unterschiedlichen Fußgängeranlagen zur Verknüpfung dieser Ebenen macht einen hoch differenzierten Ansatz zur Abbildung der Fußgängerströme erforderlich. Dies ist nur mit Hilfe des oben kurz beschriebenen Cellularautomaten möglich. Die Dimensionierungsnachweise führten zu folgenden Ergebnissen:

 

Engpässe mit Staus vor Rolltreppen innerhalb des Nukleus können vermieden werden, wenn nicht betroffene Rolltreppen in eine andere Richtung, d.h. zusätzlich in die jeweilige Flutrichtung geschaltet werden.

Problematischer sind die Bahnsteiganlagen der U4/​U5 infolge eingeschränkter Bahnsteigflächen durch zusätzliche Treppeneinbauten als Verbindung zum Nukleus.

 

Projektdaten

Auftraggeber: DB ProjektBau GmbH, München

Bearbeitungszeitraum: 2005

Ansprechpartner bei Intraplan: Bernd Kollberg, Stefan Böttcher

 

Ansprechpartner

Dipl.-Vw. Bernd Kollberg

 

 

 

 

 

 

 

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