Ex-post-Bewertung als Erfolgskontrolle für fertig gestellte Vorhaben des Schienenverkehrswegebaus

Entwicklung eines Verfahrensablaufs für Ex-post-Bewertungen von Infrastrukturinvestitionen im Schienenbereich und Festlegung der Grundzüge der anzuwendenden Methoden.

 

Ausgangssituation/​Aufgabenstellung

Für die Investitionen in das Eisenbahnnetz des Bundes werden Ex-ante-Bewertungen durchgeführt, um die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Maßnahmen zu bestimmen. Seit der Bundesverkehrswegeplanung 1979 werden diese Bewertungen nach einem mit den Bewertungen von Infrastrukturinvestitionen in den anderen Verkehrszweigen vergleichbaren Verfahren durchgeführt. Eine Reihe der auf diese Weise bewerteten Investitionen in die Schieneninfrastruktur wurde zwischenzeitlich realisiert.

Eine systematische Ex-post-Bewertung dieser Investitionen fand bisher nicht statt. Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurde ein Verfahrensablauf für die Ex-post-Bewertung von Infrastrukturinvestitionen im Schienenbereich entwickelt und die Grundzüge der anzuwendenden Methoden festgelegt.

 

Die Bewertungen bauten auf einer Bestandsaufnahme des Angebotes und der Nachfrage im Personen- und Güterverkehr für das Bezugsjahr 2002 auf. Dieser Planfall 2002 stellte den gemeinsamen Mitfall für die Bewertung der folgenden Einzelmaßnahmen dar:

 

ABS Bebra–Erfurt (VDE-Projekt 7),

NBS Hannover–Berlin und

NBS Hannover–Würzburg.

 

Die jeweiligen Ohnefälle waren durch die Situation definiert, die sich ohne Realisierung dieser Investitionsvorhaben ergeben hätte. Aufgrund eines Vergleiches der Ex-post-Bewertungen mit den verfügbaren Ex-ante-Bewertungen waren Ursachenanalysen für die aufgetretenen Abweichungen durchzuführen und Empfehlungen für das künftige Vorgehen bei der Bewertung von Schienenverkehrsprojekten auszusprechen.

 

Methoden

Die Prognose der Nachfragewirkungen im Personen- und Güterverkehr erfolgte nach der Methodik der Bundesverkehrswegeplanung. Durch Vergleich der Prognoseergebnisse für den Ohnefall mit den vor Inbetriebnahme der betreffenden Investitionsvorhaben festgestellten Nachfragewerten konnte die Validität der Prognosemodelle nachgewiesen werden.

 

Die gesamtwirtschaftliche Bewertung der zu überprüfenden Investitionsvorhaben erfolgte ebenfalls nach der Methodik der Bundesverkehrswegeplanung. Bei den Großvorhaben NBS Hannover–Berlin und NBS Hannover–Würzburg erreichten die Verlagerungen vom Luftverkehr auf den Schienenpersonenfernverkehr eine Größenordnung, die eine Anpassung der Bedienungshäufigkeiten auf den betreffenden Luftverkehrsrelationen erforderlich machte. Die hiervon ausgehenden Wirkungen auf die Betriebskosten und die Emissionen des Luftverkehrs wurden zusätzlich in die Bewertung einbezogen.

 

Ergebnisse

Die Ex-post-Bewertungen erfolgten als unterer Eckwert unter der Annahme einer konstanten Nachfrageentwicklung ab dem Bezugsjahr 2002 und als oberer Eckwert unter Annahme von Zuwachsraten im Schienengüter- und -personen­verkehr gemäß BVWP 2003. Diese relativen Zuwachsraten wurden auf die für das Bezugsjahr 2002 festgestellte Nachfrage aufgesetzt.

 

Für alle betrachteten Investitionsvorhaben konnte deren gesamtwirtschaftliche Vorteilhaftigkeit (Nutzen-Kosten-Verhältnis › 1) sowohl bezogen auf den unteren als auch auf den oberen Eckwert nachgewiesen werden.

 

Der Vergleich zwischen den Ex-ante- und den Ex-post-Bewertungen kam zu dem Ergebnis, dass

 

die tatsächlich eingetretene Nachfrage im Schienenpersonenfernverkehr die prognostizierten Werte bei weitem übertroffen hat, auch wenn man die für das Jahr 2002 festgestellte Status Quo-Nachfrage um die Verkehrsbeziehungen über die ehemalige innerdeutsche Grenze bereinigt,

die verlagerten Transportleistungen vom Straßen- auf den Schienengüterverkehr gemäß Ex-post-Bewertung den Vergleichswerten aus der Ex-ante-Bewertung in der Summe entsprachen, obwohl die tatsächlich eingetroffene Menge im Schienengüterverkehr deutlich unterhalb der seinerzeitigen Prognosewerte lag,

das Nutzen-Kosten-Verhältnis der Ex-post-Bewertung tendenziell höher ist als die entsprechenden Ergebnisse der Ex-ante-Bewertung.

 

Für künftige Ex-ante-Bewertungen konnten aufgrund der Erkenntnisse des Projektes »Ex-post-Bewertung« u.a. die folgenden Anforderungen formuliert werden:

 

realistische Berücksichtigung der Bauzeit,

Einbeziehung von Nutzen des SPNV,

Berücksichtigung eingesparter Betriebskosten im Luftverkehr bei Großvorhaben,

betreiberunabhängige Definition aktueller Einheitskostensätze für die Betriebskostenkalkulation im Schienengüter- und -personenverkehr,

Beschränkung des Bewertungsverfahrens auf die wesentlichen Einflussgrößen,

Harmonisierung mit dem Bewertungsverfahren der EU.

 

Projektdaten

Auftraggeber: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung

Bearbeitungszeitraum: 2003–2005

Ansprechpartner bei Intraplan: Hans-Ulrich Mann

Projektpartner: BVU, Beratergruppe Verkehr + Umwelt GmbH, Freiburg

 

Ansprechpartner

Dipl.-Ing. Hans-Ulrich Mann

 

 

 

 

 

 

 

Seite drucken