Hochrechnungsverfahren für Kurzzeitzählungen an Innerortsstraßen

Forschungsvorhaben zur Überarbeitung des bestehenden Hochrechnungsverfahren für Innerortszählungen und Aufbereitung für das Handbuch zur Bemessung von Straßenverkehrsanlagen.

 

Aufgabenstellung

Kurzzeitzählungen sind nach wie vor eine wesentliche Methode zur Gewinnung von Verkehrsbelastungsdaten an Straßen. Insbesondere im Innerortsbereich sind systematisch aufbereitete Dauerzählungen aus Kostengründen, aber auch aus Erfassungsgründen immer noch eher die Ausnahme. Kurzzeitzählungen erstrecken sich dabei über unterschiedlich lange Zeiträume, die von 3 bis 48 Stunden reichen können.

Während aus Zählungen mit mindestens 24 Stunden zumindest Tagesbelastungen für den Zähltag abgeleitet werden können, müssen kürzere Zählungen auf die entsprechende Zielgröße hochgerechnet werden. Es war Aufgabe des Forschungsvorhabens das bestehende Hochrechnungsverfahren für Innerortszählungen zu überarbeiten und für das Handbuch zur Bemessung von Straßenverkehrsanlagen aufzubereiten.

 

Untersuchungsmethodik

Aus bei deutschen Kommunen vorliegenden Zähldaten von mindestens 24 Stunden, wurde eine Datenbasis aufgebaut, die 677 Zählstellen in 68 Kommunen umfasst. Für jede dieser Zählstellen wurden Ganglinien bezogen auf den Normalwerktag Di–Do gebildet. Aus Zählungen, die einen längeren Zeitraum umfassten, wurden auch Wochen- oder sogar Jahresganglinien gebildet.

 

Als Zielgrößen der Hochrechnung wurden

Verkehrsmenge am Zähltag (Di–Do),

durchschnittlicher Werktagsverkehr Mo-Fr außerhalb der Ferienzeiten und

durchschnittlicher täglicher Verkehr (DTV)

 

herangezogen.

 

Diese Zielgrößen werden nach Kfz insgesamt und Schwerverkehr differenziert. Außerdem werden die Zeitbereiche 0:00–24:00 Uhr, 6:00–18:00 Uhr und 6:00–22:00 Uhr unterschieden. Zudem sollte mit dem Verfahren die Bemessungsverkehrsstärke sowie der zur Bemessungsstunde vorherrschende Schwerverkehrsanteil ermittelt werden können.

 

Ein erster Ansatz zur Definition von Straße-Umfeld-Typen in Anlehnung an die neuen Richtlinien zur Anlage von Stadtstraßen RASt mit einheitlichen Ganglinien erwies sich als nicht zielführend, da kein enger Zusammenhang zwischen Straße-Umfeld-Typ und dem Ganglinienverlauf gefunden werden konnte. Aus diesem Grund wurde ein »klassischer« Ansatz verfolgt, die Hochrechnungsfehler über die die Definition von optimalen Zählzeiten und die Klassifizierung der Zählstellen anhand von exakt definierten Merkmalen zu minimieren.

 

Ergebnisse

Es wurden Empfehlungen für die optimale Wahl der sowohl der Zähltage als auch der Zählzeit und -dauer abgeleitet. Aufbauend auf diesen Zählzeitempfehlungen wurde ein einfach zu handhabendes 3-stufiges Hochrechnungsverfahren entwickelt. Dabei wird zunächst von der Kurzzeitzählung auf den Tagesverkehr des jeweiligen Zähltages hochgerechnet. Ausgehend hiervon lassen sich über spezielle Saison- und Wochenfaktoren der durchschnittliche werktägliche Verkehr (Mo–Fr) außerhalb der Ferienzeiten und der DTV-Wert abschätzen. Die Bemessungsverkehrsstärke und der zugehörige Schwerverkehrsanteil werden sinnvoller Weise aus der Stunde mit der maximal gemessenen Verkehrsstärke während der Zählzeit übernommen.

 

Die Hochrechnungs- und Wochenfaktoren werden dabei nach der stärksten Stundenbelastung während der Zählzeit differenziert. Die Saisonfaktoren unterscheiden sich nach dem Zählmonat. Neben den Hochrechnungs-, Wochen- und Saisonfaktoren selbst wird jeweils auch der Bereich des mittleren 85 %-Perzentils ausgewiesen, um einen Anhaltspunkt für die Verlässlichkeit der Hochrechnung zu geben.

 

Projektdaten

Auftraggeber: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Forschungsprogramm Stadtverkehr 77.0479)

Bearbeitungszeitraum: 2005–2007

Ansprechpartner bei Intraplan: Dr. Martin Arnold

Projektpartner: Schuh & Co. GmbH, Germering

 

Ansprechpartner

Dr. rer. pol. Martin Arnold

 

 

 

 

 

 

 

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