Machbarkeitsstudie Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg

Planung und Bewertung einer Stadtbahn im Landkreis Ludwigsburg in mehreren Planfällen.

 

Ausgangslage und Aufgabenstellung

Die Markgröninger Bahn verbindet Ludwigsburg über Möglingen mit Markgröningen. Im Jahr 1975 wurde der regelmäßige SPNV eingestellt und die Strecke im Jahr 2005 weitgehend stillgelegt. Versuche der Reaktivierung der Strecke für den SPNV scheiterten in der Vergangenheit an einem unzureichenden Nutzen-Kosten-Verhältnis, das im Wesentlichen auf eine mangelhafte Erschließungswirkung im Bereich Ludwigsburg und Markgröningen zurückzuführen war.

 

Der Landkreis Ludwigsburg hatte deshalb eine Machbarkeitsstudie beauftragt, bei der die bestehende Markgröninger Bahn Bestandteil eines neu aufzubauenden Stadtbahnsystems sein sollte. Die Machbarkeitsstudie hat zum einen die Trassierung und die betriebliche Machbarkeit bestätigt und zum anderen die verkehrlichen und wirtschaftlichen Konsequenzen in sechs Varianten mit unterschiedlichen Linienästen und Endpunkten im Osten und Westen näher betrachtet. Für eine Maximalvariante wurde die Förderwürdigkeit mit Hilfe einer gesamtwirtschaftlichen Grobbewertung in Anlehnung an das Verfahren der Standardisierten Bewertung abgeschätzt. Die Maximalvariante verfehlte klar das für eine Förderwürdigkeit mindestens erforderliche Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,0. Daher wurde Intraplan mit einer Fortführung der Machbarkeitsstudie beauftragt mit dem Ziel, Möglichkeiten zur Optimierung der bislang untersuchten Planfälle zu ermitteln und für Planfälle mit optimiertem Maßnahmenzuschnitt eine Nutzen-Kosten-Abschätzung sowie ggf. eine Folgekostenrechnung vorzunehmen.

 

Bearbeitungsinhalt

Zunächst wurden die Prognosen der Strukturentwicklungen im Untersuchungsgebiet mit den jeweiligen Gebietskörperschaften abgeglichen und mit verschiedene Datenquellen der Verkehrsnachfrage in der Region zu einer konsistenten prognosefähigen Datengrundlage zusammengeführt. Außerdem wurden die Verkehrsnetze des MIV und des ÖPNV aus bestehenden Grundlagendaten übernommen und an den Prognosehorizont und die Aufgabenstellung angepasst.

Der erste Schritt bei der Optimierung des Mitfalls bestand darin, die vorgeschlagenen Streckenäste der Stadtbahn grob auf ihre Stadtbahnwürdigkeit zu prüfen. Der Förderwürdigkeit der Gesamtmaßnahme nicht zuträglicher Äste wurden ausgeschieden. Die betrachteten Maßnahmen zur Optimierung des Mitfalls waren breit gefächert und beinhalteten

veränderte und zusätzliche Stadtbahnstrecken,

veränderte bzw. neue Halte- und Linienkonzepte der Stadtbahnlinien und des komplementären Busnetzes,

Anpassungen des Taktrasters und der Bedienungshäufigkeit der Stadtbahnlinien und Buslinien.

Im Ergebnis besteht das vorgeschlagene Stadtbahnnetz aus vier Streckenästen, die von zwei Hauptlinien Markgröningen – Schlösslesfeld und Oßweil – Pattonville im 15 min-Takt (HVZ und NVZ) sowie einer HVZ-Verstärkerlinie Schorndorfer Tor – Pattonville bzw. Aldingen befahren werden, wo Anschluss zum Netz der Stadtbahn Stuttgart besteht. Alle Stadtbahnlinien bedienen sowohl den Bahnhof als auch die Innenstadt von Ludwigsburg optimal, was sich als wesentliches Kernelement zur Verbesserung der verkehrlichen Wirksamkeit herausgestellt hat.

 

Projektergebnis

Kurze Fahrzeiten auf der bestehenden, auf ganzer Länge genutzten Markgröninger Bahn, gute Siedlungserschließung durch Streckenverlängerung ins Zentrum vom Markgröningen und der dichte Takt generieren erhebliche Reisezeitgewinne und Verlagerungseffekte.

Die Anbindung des Stadtteils Schlösslesfeld an die Stadtbahn und die Führung von zwei Stadtbahn-Achsen in Ost-West-Richtung in Ludwigsburg ermöglicht eine optimale Aufgabenteilung zwischen Stadtbahn und Bus. Dadurch kann trotz Einführung der Stadtbahn eine Erhöhung der Betriebskosten für den ÖPNV insgesamt vermieden werden.

Beide Effekte zusammen tragen wesentlich dazu bei, dass ein gesamtwirtschaftlich tragfähiges Nutzen-Kosten-Verhältnis erreicht wird.

Bezüglich Infrastrukturplanung, die weitgehend von der Vorgängeruntersuchung übernommen wurde, hat sich herausgestellt, dass eine größere Planungstiefe anzustreben ist.

In der Folgekostenrechnung wurden die finanziellen Auswirkungen der Einführung eines Stadtbahnsystems für den Aufgabenträger aufgezeigt.

 

Auftraggeber

Landkreis Ludwigsburg, Fachbereich 32 Verkehr (Federführung), Rems-Murr-Kreis, Verband Region Stuttgart, Stadt Remseck/​N., Stadt Ludwigsburg, Stadt Möglingen, Stadt Markgröningen, Stadt Schwieberdingen, Stadt Waiblingen

Bearbeitungszeitraum: 2010 bis 2012

Unterauftragnehmer: Beraten Planen Realisieren BPR Büro Darmstadt

 

 

 

 

Ansprechpartner

Dr.-Ing. Ulrich Rückert

 

 

 

 

 

 

 

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