Standardisierte Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen im schienengebundenen ÖPNV – Version 2016

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Standardisierte Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen im schienengebundenen ÖPNV – Version 2016

Standardisierte Bewertung von Verkehrswegeinvestitionen im schienengebundenen ÖPNV – Version 2016

Die Standardisierte Bewertung kann auf eine nunmehr über 35-jährige Anwendungszeit zurückblicken. Mit diesem Verfahren wurde die Förderwürdigkeit einer Vielzahl von Investitionsvorhaben geprüft und in zahlreichen Fällen auch nachgewiesen. Das Bewertungsverfahren wurde seit seiner Einführung in regelmäßigen Abständen aktualisiert.

 

Im Rahmen eines Forschungsprojekts im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wurde die Version 2006 der Standardisierten Bewertung durch Intraplan fortgeschrieben und weiterentwickelt. Dies beinhaltete insbesondere

 

eine Evaluierung des bestehenden Verfahrens einschließlich Rückkoppelung der Anwendererfahrungen in die Verfahrensfortschreibung,

die Prüfung der mit der Version 2000 geänderten Verkehrsnachfragemodellierung anhand eines Abgleichs von Prognosen und tatsächlichen Entwicklungen,

die Identifikation und Prüfung neu einzubeziehender Nutzenkomponenten,

die Fortschreibung und Aktualisierung der Datenvorgaben, Kosten- und Wertansätze auf den aktuellen Sach- und Preisstand und

die Überarbeitung der Verfahrensanleitung

Grundlegende Methodik beibehalten

 

Die Standardisierte Bewertung beruht auf dem Mitfall-Ohnefall-Prinzip. Einer hypothetischen zukünftigen Welt ohne Realisierung des Vorhabens wird die zukünftige Situation mit Realisierung des Vorhabens gegenübergestellt. Bewertet werden die Unterschiede zwischen Mit- und Ohnefall im Hinblick auf

 

Reisezeiten im ÖPNV,

Pkw-Betriebskosten,

(zusätzliche) Mobilitätsmöglichkeiten,

ÖPNV-Betriebskosten,

Unfallschäden,

CO2-Emissionen,

Schadstoffemissionskosten weitere Schadstoffe und

Geräuschbelastung.

 

 

Diesen auf der Nutzenseite erfassten Indikatoren wird auf der Kostenseite der Kapitaldienst für die ortsfeste Infrastruktur im Mitfall gegenübergestellt.

 

 

Die Bewertung ist modular aufgebaut. Die Zusammenstellung der Kenndaten des Verkehrsangebots für Ohne- und Mitfall ist ebenso standardisiert wie die Berechnung der Verkehrsnachfragewirkungen auf der Basis der Verkehrsnachfragedaten des Ohnefalls. Die hierfür erforderlichen Datenvorgaben, Kosten- und Wertansätze sind detailliert vorgegeben. Aufbauend darauf werden die einzelnen Beurteilungsindikatoren berechnet und zum gesamtwirtschaftlichen Nutzen-Kosten-Indikator zusammengefasst.

 

 

Ergänzt wird die gesamtwirtschaftliche Bewertung durch die Folgekostenrechnung, in der die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen eines Vorhabens für unterschiedliche Betrachtungshorizonte aufgezeigt werden.

Ergebnisse der Prüfung der Nachfragemodellierung

 

Durch die Evaluierung der Prognosemethodik der Standardisierten Bewertung wurde die Nachfragemodellierung grundsätzlich bestätigt. Dabei wurde die vergleichsweise hohe Bedeutung der weichen Komfortparameter (Systemeigenschaften und Ausstattungsmerkmale) sowie der MIV-Widerstände (Fahrzeiten, Parkplatzverfügbarkeiten) herausgearbeitet. Entsprechend wurde die Nachfragemodellierung nur partiell im Hinblick auf die Ausstattungsmerkmale von Stationen und Fahrzeugen, die Berücksichtigung intermodaler Zu- und Abgangswege zum ÖPNV sowie den Einfluss der Parkplatzverfügbarkeiten auf den MIV-Widerstand angepasst.

Neuerungen in der Version 2016

 

Auf der Basis der Theorie der impliziten Nutzendifferenz, die im Bewertungsverfahren des Bundesverkehrswegeplans 2030 konsequent ausgearbeitet wurde, wurde eine neue Nutzenkomponente »Nutzen der Schaffung zusätzlicher Mobilitätsmöglichkeiten» entwickelt.

Es wurde die Möglichkeit geschaffen, Nachfragewirkungen einer Beseitigung von Kapazitätsengpässen in der Hauptverkehrszeit zu ermitteln Diese treten immer dann auf, wenn gegen eine übermäßige Auslastung der angebotenen Platzkapazitäten in den Fahrzeugen betrieblich nicht gegengesteuert werden kann. Wegen des hohen Modellierungsaufwands und der begrenzten Anwendungsfälle wurde diese neue Nutzenkomponente als fakultativer Modellbaustein gefasst.

Der Teilindikator »Änderung der Geräuschbelastung» wurde konkretisiert und methodisch überarbeitet.

Die Datenvorgaben, Kosten- und Wertansätze des Standardisierten Bewertungsverfahrens wurden komplett überarbeitet und auf den Sach- und Preisstand 2016 der neuen Verfahrensanleitung fortgeschrieben. Dabei wurde auf weitgehende Konsistenz zum Bewertungsverfahren des BVWP 2030 geachtet. Bei der Ermittlung des Energieverbrauchs im SPNV wurde eine geschwindigkeitsabhängige Komponente eingefügt. Außerdem wurden die Vorgaben für die Berechnung der Infrastrukturkosten neu justiert.

Die Verfahrensanleitung des Standardisierten Bewertungsverfahrens wurde inhaltlich überarbeitet und konkretisiert.

In diesem Zusammenhang wurden auch die Formblattvorlagen neu erstellt. Der Aufbau orientiert sich nun stärker an der Umsetzbarkeit in Form einer IT-Lösung.

Auf der Grundlage der Anwendungserfahrungen mit der Vermittelbarkeit der Ergebnisse von Folgekostenrechnungen wurde die Methodik deutlich vereinfacht. Mit Hilfe der Annuitätenmethode werden nun die finanziellen Folgen eines Vorhabens für die Aufgabenträger für drei Betrachtungshorizonte (kurzfristig bis 10 Jahre, mittelfristig bis 30 Jahre und langfristig) dargestellt.

Einführung und Veröffentlichung

 

Die Version 2016 des Standardisierten Bewertungsverfahrens wurde inzwischen vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur eingeführt. Die Verfahrensanleitung wurde in Papierform veröffentlicht und kann zum Selbstkostenpreis von netto 110,00 € bei Intraplan bestellt werden:

Projektdaten:

 

Auftraggeber: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (FE-Projekt 70.893/​2014)

Bearbeitungszeitraum: 2015 – 2016

Ansprechpartner bei Intraplan: Dr. Martin Arnold, Dr. Ulrich Rückert

 

Ansprechpartner

Dr. rer. pol. Martin Arnold

Dr.-Ing. Ulrich Rückert

 

 

 

 

 

 

 

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